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Was wir machen.

 

Am ersten Sonntag im Oktober ist es wieder soweit: kein Almabtrieb, kein "o-zapft-is" - einfach ERNTEDANKFEST.  Man braucht schon eine gute Kondition, um die vier vollgefüllten Tage durchzuhalten...

Es startet in der Woche davor, in der die baulichen Vorbereitungen, wie zum Beispiel Aufbauten auf dem Zug-Anhänger anbringen, für Speis & Trank einkaufen, Heranschaffen sonstiger Utensilien, Einzelteile des noch aufzustellenden Partyzeltes der Wibbelstääze zusammen suchen, stattfinden.

Freitags ist dann Kick-off-Meeting, in dem sich die Wibbelstääze (im mittlerweile aufgebauten) Partyzelt kollektiv mit den Projektzielen des diesjährigen Themas (ich könnte es an dieser Stelle verraten, aber dann müsste ich Dich leider anschließend töten). Der eine oder andere Semi-Haide vergisst hierüber glatt, den abwechselnd in den beiden vor Ort befindlichen Traditionskirchen stattfindenden Erntedank-Gottesdienst zu besuchen.

Samstags - viel zu früh um 10:45 (oder so) ist Treffpunkt auf dem Wibbelhof. Das ist die Adresse in Düsseldorf-Urdenbach, wo wir die Karren und Bollerwagen und den mit Aufbauten versehenen Zug-Anhänger schmücken. Jetzt ist Roll-out der Ideen, d.h. Anpflocken von heimischen Gemüse-Sorten an den bereiften Traditionsfuhrwerken. Warum auch immer wird auf jeden Fall mächtig viel Stroh auf die Karren verteilt und darauf das darzustellende Thema mittels Gemüse o.ä visualisiert. Am Anfang weiß man beim Schmücken gar nicht, wie oder wo man anfangen soll. Hinterher wundert man sich, dass es doch wieder so schön geworden ist. Um dann im Zug von anderen Gruppen Karren und Wagen zu sehen, die noch toller aussehen. Steigerungen gegenüber dem Vorjahr sind also immer möglich. Der eine oder andere von uns pflegt Kontakte in die örtliche Gastronomie bzw. hält innige Kontakte zu mega-erfahrenen-Reibekuchen-backenden-super-Müttern, was wir für die kulinarische Versorgung nach dem Schmücken auch schamlos ausnutzen. Danach wird es irgendwie stressig: Aufräumen, ab nach Hause frisch machen und umziehen. Denn jetzt wartet der musikalische Abend im Festzelt auf die Wibbelstääze. Natürlich gibt es für alle Tage eine feste Kleiderordnung und die für heute Abend lautet: Freie Wahl, aber bitte in Tracht. An diesem Abend darf man das letzte Mal in alltagstauglichen Schuhen auftauchen. Sonntags & montags heißt es: Blotschen tragen! Im Festzelt am Piel´s Loch startet ab 20:00 das große Come-Together der Dorfgemeinschaft im großen Zelt mit Live-Bands und Show-Einlagen bis in die späte Nacht hinein.

Am Sonntag gilt der erste Blick aus dem Fenster dem Wetter: Sonnenschein? Regen? Irgendwas dazwischen? Schnell ins trachtige Gruppenkleid/Gruppenhemd (Corporate Identitiy muss sein!) plus Lederhose geschlüpft, bei den Mädels versucht eine zitternde Hand die geschwollenen Augen zu schminken. Jetzt wird´s schmerzhaft: die Blotschen über die Füße und los zum Treffpunkt, damit alle pünktlich bei der Aufstellung sind. Der Umzug ist sicherlich der Höhepunkt des Festes. Es macht irre Spaß, an den winkenden Menschen vorbei zu defilieren und für die viele Mühe Anerkennung zu ernten. Nach dem Umzug findet noch der Schürreskarrenlauf statt. Es ist schon fast halsbrecherisch auf diesen Pappelholz-Pantinen ein hohes Tempo samt Schürreskarre hinzulegen. Erschwerend hinzu kommen die sogenannten Tankstellen, an denen die Teilnehmer wahllos sortierte Schnäpse zu sich nehmen. Spätestens beim Zieleinlauf - "Downhill" am Piel´s Loch - ist man endlos froh, endlich angekommen zu sein. Später darauf findet im Zelt die Siegerehrung statt, die mit Blootwuurscht und einer sehr schönen handgemachten Miniatur-Schürreskarre von der Werkstatt für angepaßte Arbeit die Sieger des Rennens belohnt. Man kann gleich im Zelt hocken bleiben, denn ab 18:00 Uhr startet DJ Andre sein professionelles Sound-System, bei dem kein noch so ausgefallener Musikwunsch ungespielt bleiben müsste, es sein denn, dieser trifft nicht den Geschmack von Andre. Dabei hätte er das Stück sicherlich im Repertoire. Aber er hat einen guten Geschmack, das muss man ihm lassen. Ein Nein ist hier zum Wohl aller.

Wie und wo der Abend endet, das läuft stets unterschiedlich. Fakt ist, auch der Montag wartet mit viel Programm. Nach dem Frühstück beim Blotschenkönigspaar der Vorsaison bzw. dem Frühstück im Zelt am Festplatz trifft sich die aufgehübschte Erntedankgemeinde zur Neuwahl eines Blotschenkönigpaares. Aufgehübscht heißt: anderes Gruppenkleid bzw. -hemd anziehen (Schminken, wir hatten das schon) und natürlich Blotschen anziehen. "Aua Füße" kann ich da nur sagen. Warum man zu diesen süddeutschen Trachten quasi niederländische Holzschuhe trägt und wenn alles vorbei ist ausgerechnet eine Bremer Spezialität (Grünkohl und Pinkel) zu sich nimmt: für mich derzeit noch ungeklärt. Vielleicht liegt es am "Multi-Kulti". Egal! Wenn man es lang genug macht, ist es Tradition. Die Neuwahl des Blotschenkönigspaares zieht sich naturgemäß hin. Wenn diese inklusive herzlichem Glückwunschaustausch erfolgt ist, ist Party total angesagt. Jetzt sind alle außer Rand und Band und für diese supertolle Stimmung nimmt man sich gerne den Montag frei.  Jedes Jahr aufs Neue heizt die Roland Brüggen Band inklusive einer stimmgewaltigen Sängerin die Stimmung bis zum Wangenglühen an. Wenn die Sektbar öffnet, findet man sich Ruck Zuck auf einer der heißesten Feten der Stadt wieder. Das sollte man einfach mal erlebt haben. Stunden später braucht man frische Luft. Sehr dienlich ist es, wenn man sich beim Gratulieren zum neuen Königspaar gemerkt hat, wohin diese für den späten Abend eingeladen haben. Einen kurzen Spaziergang später taucht man in die After-Zelt-Party des neuen Blotschenkönigspaares ein. Diese dauert hunderte von Tanzschritten und so langsam hat man sich an die Blotschen an den Füßen gewöhnt. Fast so, als wären diese irgendwie "weicher" geworden. 

Dienstags setzt der mentale Kater ein. Kann doch nicht sein, Erntedank ist schon wieder vorbei? Wo sind die Stunden geblieben, all die schönen Kontakte mit fröhlichen Menschen? Ab heute wieder ein Jahr warten? Das ist wie ein persönlicher Aschermittwoch. Die Füße (u.U. auch der Kopf) tun weh. Außerdem muss man heute noch aufräumen. Kann es sein, dass es nachts geregnet hat? Iiieeh, das Partyzelt ist nass, die Karren, das Gemüse, irgendwie ekelig. Was soll´s; es hilft nix.. Alle packen mit an. Ja und abends, da gibt es Grühkohl mit Mettwurst (Pinkel). Wir haben wieder unsere Kontakte spielen lassen. Ein Fazit wird gezogen, wie es nächstes Jahr noch schöner werden kann. 

 
     
 
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